Geschichte und Ihre Irrwege

  • Hallo Zusammen,


    ich bin neu hier und hoffe hier endlich mal ein Forum gefunden zu haben, wo ich mich über die Dinge, mit denen ich mich ganz gerne mal beschäftige, austauschen zu können. Das Titelthema Verschwörungstheorien allgemein habe ich deswegen gewählt, weil es meinem Thema wohl am nächsten sein dürfte. Ich würde mich nicht als Prä-Astronautiker betrachten, finde die Fragen, die man sich innerhalb dieses Themas stellt, sehr interessant. Ich glaube nicht unbedingt daran, dass irgendwelche E.T.´s mal unsere Welt den nötigen Schups gegeben haben, aber ich finde es eben sehr interessant, die Dinge mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. So beschäftige ich mich mit sowohl mit den Gemeinsamkeiten verschiedener Religionen, bis hin zu Bauten, die sich nicht mit der allgemein gültigen Geschichte erklären lassen.


    Als erstes kommt mir da immer der Bau der Pyramiden in den Sinn. Laut Geschichtsschreibung sollen diese in gut 10 Jahren erbaut worden sein. Das ist eine lange Zeit, aber in Anbetracht der Menge an Steine und dessen Gewicht die dort verbaut worden sind, stellt man sehr schnell fest, dass es nicht möglich war. Ich Suche dabei nicht nach irgendwelchen außerirdischen Einflüssen, sondern eher noch dem Bug in der Geschichtsschreibung. Mittlerweile ist man ja auch der Auffassung, dass die Pyramiden viel älter zu sein scheinen, als man bisher angenommen hat.


    Auch andere Bauten, die zum Teil auf der ganzen Welt verteilt sind, können nicht wirklich erklärt werden. Selbst mit heutigen Maschinen, wäre es immer noch ein Mammut-Projekt, was auch von seiner Genauigkeit, kaum zu stemmen wäre. Die Genauigkeit mit der die Pyramiden von Gizeh ausgerichtet sind, treibt auch heutigen Ingenieuren den Schweiß auf die Stirn. Auch wenn man sieht, mit welcher Präzision Teotihuacan erbaut worden ist und mit welchen optischen Spielereien, scheint es einfach unglaublich, dass man solche Monumente vor so langer Zeit schon in der Lage war zu bauen.


    Auch die Megalithbauten, die man überall auf der Welt findet, faszinieren mich immer wieder. Als religiöse Kultstätten oder Kalender abgetan, was sie ja durchaus auch sein könnte oder sind, übergeht aber gerne, was für eine unglaubliche Leistung dahinter steckt. Für Stonehenge hat man sich ja inzwischen recht gute Möglichkeiten entwickelt, wie man diese riesigen Steine in den Boden gesetzt hat, die zum Teil einige 100 Tonnen wiegen. Aber wie sie diese Steine aufeinander gelegt haben oder warum man diese Steine über 300 Kilometer an diese Stelle geschleppt hat, ist damit nicht erklärt. Zudem könnten viele Megalithmauern aus eine und derselben Gegend stammen. Weil sie von der Art wie sie zusammengesetzt sind und der Form der Steine sehr ähnlich aussehen. Fakt ist aber, dass diese Mauern zum tausende Kilometer voneinander entfernt sind und in völlig verschiedenen Kulturen entstanden sind. Mal ganz davon abgesehen dass diese Mauern Erdbebensicher sind, ist es absolut unglaublich wie diese Steine die ein Gewicht von einigen Tonnen bis hin zu über 1000 Tonnen haben, mit einer Präzision zusammengesetzt sind, dass selbst heute nicht mal ein Blatt Papier dazwischen schieben kann.


    Das, und noch viele andere Dinge, die sich nicht unbedingt so einfach erklären lassen, und von der allgemein gültigen Wissenschaft eher damit abgetan werden, dass man unsere Vorfahren als nicht so dumm abwerten solle, sind Dinge mit denen ich mich sehr gerne beschäftige. Ich hoffe daher in diesem Forum Menschen zu finden, mit denen man heiß diskutieren kann und sich vielleicht auch ein paar neue Sichtweisen erklären lassen kann.

  • Hallo Deadalus,


    Ich will auf Deine Punkte einmal kurz eingehen und kann sie teilweise verstehen: Man steht vor solchen Bauten und denkt sich immer "Irre. Das haben die vor x-Jahren gebaut und wir sind zu doof, nen funktionierenden Flughafen auf die grüne Wiese zu stellen" :) Zu meinen Hintergrund, damit man Einordnen kann, woher mein Wissen stammt: Ich habe Geschichte studiert und lange Zeit auf archäologischen Grabungen gearbeitet. Will sagen, ich bin kein Fachmann, kenne mich aber gut in der Materie aus.


    Ein paar grundlegende Dinge, die heute anders sind zu der Zeit, in der diese Projekte realisiert wurden:


    1. früher war Arbeitskraft billig, aber Material teuer. Teure Materialien wie z.B. behaune Steine konnten sich nur reche Menschen (z.B. Pharaonen, Könige oder eben Fürsten usw.) leisten. Die Arbeitskraft, diese Materialen zu verarbeiten war allerdings vergleichseweise billig zu haben, ggf. wurde auf Zwangsarbeit und Frondienste zurückgegriffen.

    2. technischer Fortschritt: erstaunlicherweise ist die Menschheit auch mit bescheidenen technischen Hilfsmitteln erstaunlich weit gekommen. Ein System, auch wenn es primitiv ist, daß funktioniert, funktioniert eben einfach - mit genügen Menschen, die diesem System dienlich sind (s.o.). Der technische Fortschritt, der uns heute zu Höchstleistungen bringt, ist keine 200 Jahre alt.


    Zum ganz konkreten der z.B. Pyramiden. Ein befreundeter Archäologe formulierte es mal so schön "It's a matter of trial and error" - für eine Pyramide, die uns heute erhalten geblieben ist, gibt es eine gewisse Anzahl, die verunglückt oder gar nicht erhalten sind (z.B. die "Knickpyramiden", die zu steil angefangen wurden.

    Das ist übrigens nicht nur bei den Pyramiden so - viele gothische Kathedralen z.B. sind schlicht und ergreifend zusammengebrochen, weil dem Baumeister Statik passiert ist - die erhalten gebliebenen sind dabei um so imposanter.


    Formen und Möglichkeiten sind relativ universell: eine Pyramide z.B. ist nichts weiter Besonderes, kommt ja auch in der Natur, z.B. in kristallinen Formen vor. Und Menschen schauen sich sowas gerne mal ab.

    Den technischen Möglichkeiten setzt nur die Physik grenzen - wenn die Erbauer von Stonehege gekonnt hätten, wären die Steine bestimmt noch größer geworden (schließlich konnte eine Kathedrale des Mittelalters auch nicht groß genug sein und die Wolkenkratzer streben auch heute noch in den Himmel). Diese Menschen haben einfach das Maximum aus ihren Möglichkeiten herausgeholt (beim Bau der Pyramiden oder den Stätten der Inka und Maya ist es ähnlich).

    Der beste Antrieb, etwas wirklich Großes zu bauen ist immer noch der Glaube: der Glaube an die Gottgleicheit des Pharaos, der Glaube an die Götter der Inka und Maya, der Glaube an den christlichen oder muslimischen Gott hat uns einige gigantische, unglaubliche Gebäude hinterlassen. Unser heutiger Glaube an den technischen Fortschritt und unsere technischen Möglichkeiten hinterlassen Wolkenkratzer, Supertanker, Riesenflugzeuge. Andere Religion, aber gleicher Antrieb.


    Die Entfernungen sind ein interessantes Thema: Wir leben in einer globalisierten Welt, d.h. der ganze Globus ist erforscht und weitestgehend besiedelt (zumindest die Landmassen). Globalsierung reicht eigentlich immer genau so weit, wie der eigene Horizont: die Welt der Steinzeitmenschen war globalisiert, wenn sie Kontakte zu umgebenden Gruppen hatten, die Welt der Römer war globalisiert, weil sie den ihnen damals bekannten Raum kontrollierten (Gerüchteweise gab es auch damals schon mehr, aber wer glaubt schon Phantasten...?) und vernetzten.

    Aber nur, weil wir heute vergleichsweise schnell von A nach B kommen und der Informationsfluss global noch wesentlich schneller ist, heisst das nicht, daß die Menschen in vergangenen Tagen keinen Austausch pflegten.

    Auf einer Grabung in einem kleinen westfälischen Dorf an der Lippe fanden wir Bernsteinperlen aus dem Ostseeraum - in einer vorchristlichen Siedlung, etwa 2300 Jahre alt. In Skandinavien werden Scherben griechischer Keramik oder phönizische Münzen gefunden - der Austausch war da, nur eben wesentlich langsamer.


    Natürlich erstarren wir heute fast vor Erstaunen über die technischen Leistungen unserer Vorväter. Aber bei genauem Hinsehen und Auswertung aller verfügbaren Quellen lässt sich vergleichsweise gut nachvollziehen, wie etwas gemacht oder gebaut wurde.

    Es mit ausserirdischem Einfluss zu erklären, ist hervorragendes Story-telling, hat aber mit der Realität eher weniger zu tun.